Kappungen schädigen den Baum langfristig und sind nur, wenn überhaupt, auf lange Sicht reparabel. Durch die großen Schnittstellen, welche immer ein Einfaulen an den Schnitten mit sich bringen, wird die Statik des Baumes auf lange Zeit beeinträchtigt. Neue Triebe, die an den Schnittstellen emporwachsen werden schnell zum statischen Problem und beeinträchtigen die Verkehrssicherheit. Der zertifizierte Baumpfleger lehnt Kappungen somit als baumzerstörerische Maßnahme ab. Der Kronensicherungsschnitt, welcher für den Laien stark einer Kappung ähnelt kann in manchen Situationen jedoch Anwendung finden.
Wann ist ein Kronensicherungsschnitt sinnvoll?
In seltenen Fällen, in denen schwer geschädigte Bäume, beispielsweise nach Stürmen, auf keine andere Weise vor der Fällung zu retten sind, findet der Kronensicherungsschnitt Anwendung. Im Zuge des Kronensicherungsschnittes wird die gesamte Krone, oder Kronenteile im Starkastbereich eingekürzt. Das entstehende Erscheinungsbild soll möglichst der baumartspezifischen Alterungsphase entsprechen. Falls möglich wird die Einkürzung auf Versorgungsast durchgeführt. Auf diese Weise können Bäume, die sonst gefällt werden müssten, mit der richtigen Pflege noch viele Jahre erhalten bleiben.
Ein weiterer Fall sind sehr alte bereits in der Oberkrone absterbende Bäume. Oft bildet sich hier eine sogenannte Sekundärkrone. Der Baum ist durch sein Alter, Krankheiten oder andere Schäden nicht mehr in der Lage, die am weitesten von den Wurzeln entfernten Kronenteile zu versorgen, wodurch sie absterben. Um trotzdem weiter am leben zu bleiben, bildet sich eine kleinere Krone, wodurch sich der Baum noch viele Jahre oder gar Jahrzehnte versorgen kann. Auch hier ist der Kronensicherungsschnitt, der die abgestorbenen Teile entfernt, die richtige Maßnahme um den Baum sicher zu erhalten.

Rückschnitt zu Habitat-Torso
Als naturschutzfreundliche Alternative zu Fällungen bietet sich auch die Umformung eines nicht mehr standsicheren Baumes zu einem Habitat-Torso an. Ein Habitat-Torso, auch Reststamm-Torso, besteht lediglich aus dem verbleibenden Reststamm. Die gesamte Krone wurde entnommen und der verbleibende Stamm auf je nach Situation drei bis sechs Meter eingekürzt.
Dieser Reststamm stellt je nach Höhe für viele Jahre keine Gefahr für die Verkehrssicherheit dar, da aufgrund der geringen Angriffsfläche kaum Wind auf ihm lastet. Für Insekten und Vögel entsteht mit dem Absterben des Stammes ein wichtiges Biotop. Nach und nach entstehen Faulstelle, Käfer durchbohren das abgestorbene Holz, Spechte hämmern Höhlen in den Stamm auf der Suche nach Nahrung. Die entstandenen Höhlen dienen wiederum Fledermäusen und Vögeln als Rückzugsort und Brutplatz.

Habitat-Torsi können auch ideal in Kombination mit rankenden Pflanzen wie Efeu verwendet werden. Der Efeu umschlingt den Stamm mehr und mehr und bietet neben dem schon vorhandenen Biotop des Torsos auch eine reiche Nahrungsquelle für Insekten, sowie zusätzliche Brutplätze für Vögel.
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